Betreuungsumfang

Unser Waldorfkindergarten ist regelmäßig in der Zeit von 7:00 Uhr bis 16:00 Uhr geöffnet. Während dieser Zeit werden gegenwärtig 56 Kinder in unterschiedlichem Umfang in drei altersgemischten Gruppen und einer Kleinkindgruppe betreut.

Der Betreuungsumfang  richtet sich maßgeblich nach dem Umfang der jeweiligen Gutscheine, den die Eltern für ihren Kindergartenplatz erhalten haben. In den beiden altersgemischten Gruppen (3-6 Jahre) findet für alle Kinder mit Teilzeitplatz eine Kernbetreuung von 8:00 Uhr bis 14:00 Uhr  statt. Die Kinder mit einem Ganztagsgutschein wechseln nach dem Mittagessen in die Nachmittagsgruppe, wo sie nach einer kurzen Ruhepause bis 16:00 Uhr weiter betreut werden.

In der Kleinkindgruppe (1,5-3 Jahre) findet eine Kernbetreuung von 8:00 Uhr bis 12:00 (Halbtagsplatz) statt, die sich bei Kindern mit Teilzeitplatz inklusive Ruhezeit bis14:00 Uhr ausweitet. Eine Ganztagesbetreuung wird im Kleinkindbereich aus pädagogischen Gesichtspunkten nicht angeboten.

Zu beachten ist, dass unser Kindergarten lediglich über eine begrenzte Anzahl an Schlaf- und Ruheplätzen für die Kinder verfügt, weswegen sich alle unsere Gruppen immer aus Kindern mit unterschiedlichem Betreuungsbedarf zusammen setzen. Ein genereller Anspruch auf eine Ganztagsbetreuung kann demzufolge nicht geltend gemacht werden.

Das Leitbild unseres Kindergartens

Wir arbeiten auf der Grundlage der Waldorfpädagogik, die aus dem Menschenbild der Anthroposophie entwickelt wurde. Sie erfasst den Menschen als Ganzheit von Leib, Seele und Geist und beruht wesentlich auf der Menschenkunde und den Erkenntnissen Rudolf Steiners. Die Waldorfpädagogik bildet, gemeinsam mit aktuellen Erkenntnissen zu Fragen der Kindesentwicklung und Erziehungsarbeit, das Leitbild unserer Pädagogik. Unsere Kindergartengemeinschaft lebt von all den Menschen und den Familien mit vielfältigen persönlichen, kulturellen, sozialen, sprachlichen und religiösen Hintergründen.

Wir verstehen es als zentrale Aufgabe waldorfpädagogischen Arbeitens, den Kindern einen guten und sicheren Rahmen zur freien Entfaltung ihrer individuellen Entwicklung zu gewähren. Mit Wärme, Zuwendung und behutsamer Wahrnehmung begleiten wir die Kinder auf ihrem Weg der (selbst-) Erfahrungen durch die Kindergartenzeit. Diesem Motiv folgend, gründet sich unsere Arbeit maßgeblich auf folgenden Säulen:

Gemeinsam bilden die beschriebenen Motive den Kern unserer pädagogischen Arbeit und damit das, was unseren Kindergarten – heute vielleicht mehr denn je – seinem Wesen nach auszeichnet: Dem Zeitgeistphänomen einer sich immer dynamischer entwickelnden modernen Digitalgesellschaft, in der Sinnesreize und Ablenkungen überreichlich vorhanden sind, wieder einen ausgeglichenen, positiven und gesunden analogen Raum für die Kinder gegenüber zu stellen. Dabei ist es unser erklärtes Bestreben, durch eine entschleunigte, auf Rhythmus, Wiederholung, Wärme und Sinnespflege gründende Pädagogik, die freie und individuelle Entwicklung eines jeden Kindes (wieder) in den Mittelpunkt zu rücken.

Kohärenz durch Primärerfahrungen

Ordnung und Verlässlichkeit geben Halt, einen klaren Bewegungsrahmen und wirken gesundend aufs Kind. Mit einer geordneten Tages-, Jahres- und Raumgestaltung entsprechen wir den bekannten und erwarteten Bildern des Kindes. Die gewohnte Ordnung erwarten zu können und einzufordern – das stärkt Kinder in ihrem Weltvertrauen und ihrem Lebensgefühl. Es lässt sie Wurzeln schlagen und kräftigt das Kohärenzerleben.

Rhythmus und Wiederholung sind ebenso heilsam, denn sie fördern die seelische Ausgeglichenheit. Diese wirkt bis in die Gesundheit des Schlafes hinein. Die Form der gemeinsamen Mahlzeitgestaltung beispielsweise ist sozial und ernährungsphysiologisch von großem Wert. Wiederkehrende Zeitelemente und kleine spielerische Rituale geben Halt, helfen dem Kind, sich zurechtzufinden und tragen Früchte in den gesteigerten Widerstandsressourcen, was sich positiv und kräftigend auf die Resilienz der Kinder auswirkt .

Tatsachenlogik und Zusammenhänge unmittelbar zu erleben und die Einsicht, was die Tätigkeit eines jeden Menschen für andere bedeutet, bilden wichtige Verständnisgrundlagen fürs Lernen des Kindergartenkindes. Die Kinder verfügen über vertrauensvolle Hingabekräfte und haben ein elementares Bedürfnis, verstehend in die Welt einzutauchen und sie als durchschaubar, handhabbar und sinnvoll geordnet zu erfahren.

Vorbild und Nachahmung

Die Pädagoginnen leben eine freundlich-heitere und liebevolle Atmosphäre. Das Gruppenleben wird entsprechend den Bedürfnissen der Kinder gepflegt. Dabei ist es wichtig, dass unsere Handlungen (und Haltungen) aus sich heraus vorbildhaften Charakter für die Kinder haben, ohne dass es hierfür einer intellektuellen Erklärung bedarf. Denn durch Beobachtung des Tuns des Erwachsenen und eigene Tätigkeitserfahrungen erschließt sich dem Kind die Sinndimension der Dinge, der Welt und des eigenen Seins. Es ist unmittelbar seelisch mit allem verbunden.

Rudolf Steiner führt  in seinem Aufsatz »Die Erziehung des Kindes« folgendes zu Vorbild und Nachahmung aus: »Was in der physischen Umgebung vorgeht, das ahmt das Kind nach, und im Nachahmen gießen sich seine physischen Organe in die Formen, die ihnen dann bleiben. Man muss die physische Umgebung nur in dem denkbar weitesten Sinne nehmen. Zu ihr gehört nicht etwa nur, was materiell um das Kind herum vorgeht, sondern alles, was sich in des Kindes Umgebung abspielt, was von seinen Sinnen wahrgenommen werden kann, was vom physischen Raum aus auf seine Geisteskräfte wirken kann.“

Sinnespflege

Die Anregung und Pflege der Sinne des Kindes, insbesondere der altersentsprechend in ihrer Reifung begriffenen vier „unteren Sinne“ nach Rudolf Steiner (Bewegungs-, Gleichgewichts-, Tast- und Lebenssinn) , gilt ebenfalls als ein zentrales Gestaltungselement unserer pädagogischen Arbeit.

Das freie Spielen zum Tagesbeginn und im Anschluss an das Frühstück draußen im Garten, nimmt hierbei eine wichtige Funktion in unserem Tageslauf ein. Es ist vom Gesichtspunkt der Entwicklung unserer Kinder hin zu wirklich individuellen Persönlichkeiten im Erwachsenenalter, vielleicht sogar der wichtigste Teil. Denn die Möglichkeit, entsprechend der eigenen Individualität zu lernen und damit Fähigkeiten durch sich selbst zu entwickeln, wird durch das freie Spiel besonders gefördert.

Durch die Bereitstellung zusätzlicher, gemeinhin als „waldorf-typsich“ geltender Elemente (Kletter- und Balanciergeräte, haptisch hochwertige Spielutensilien aus natürlichen Materialien, Aquarellfarben, Wachsmalblöckchen), versuchen wir einen anregenden Rahmen für das freie Spiel zu schaffen, in dem die Kinder – frei von Wünschen und Zielen der Erwachsenen – wirklich selbstständig tätig werden können.

Salutogenese

Der noch recht junge Begriff der Salutogenese stellt die Entstehung von Gesundheit in den Mittelpunkt und setzt sich damit bewusst dem viel weiter verbreiteten Pathogenesebegriff (Entstehung und Linderung von Krankheit) entgegen. Der modernen Salutogeneseforschung ist zu entnehmen, dass Gesundheit (im Unterschied zur Krankheit) nur in geringem Maße durch biologische Faktoren bedingt ist, und in erstaunlich hohem Maße von seelisch-geistigen Bedingungen abhängt, die der Mensch selbst herstellen bzw. selbst herzustellen lernen kann.

Salutogenese setzt also dort an, wo wir gute Voraussetzungen für die Entwicklung des Kindes vorfinden; Einen sprichwörtlich gesunden Rahmen also, um Vertrauen in sich selbst entwickeln zu können, die Welt mit Hilfe der Sinnestätigkeit erleben und begreifen zu lernen, Zusammenhänge durchschauen zu dürfen und das Leben durch sich selbst ergreifen zu können. Durch die Erfahrung, dass die Welt bei entsprechender Bemühung durchschaubar, gestaltbar, handhabbar und sinnhaft ist, entwickeln die Kinder Kraft und Selbstbewusstsein. Dann ist im Sinne der Salutogenese auch die Voraussetzung dafür geschaffen, dass es lohnt, sich auf die Herausforderungen des Lebens einzulassen und ihnen auf gesunde Weise zu begegnen.

Weitere Pädagogische Elemente

Ergänzend zu den oben geschilderten Schwerpunkten greift unser Kindergarten in einigen Bereichen auch auf die pädagogischen Motive Emmi Piklers, im Zusammenspiel mit den Bewegungsmaterialien Elfriede Hengstenbergs, zurück. Beide haben sich zu ihren Lebzeiten fast zeitgleich, jedoch unabhängig voneinander, der Förderung einer eigenständigen  Bewegungsentwicklung des Kindes nach seinem individuellen Rhythmus, sowie einer achtsamen und wahrnehmenden Zurückhaltung in der pädagogischen Begleitung des freien Spiels verschrieben. Jener Ansatz lässt sich bei uns täglich in den vielfältigen freien Spielsituationen der Kinder wiederfinden.